All unsere besonderen Erlebnisse, magischen Momente und einzigartigen Begegnungen wollen wir hier festhalten.
Reiseblog

San Blas Inseln – Fünf Tage Segeln ohne Segel

Seit Jahren träumte ich davon Cartagena zu besuchen, ein koloniales Städtchen an der Karibikküste Kolumbiens. Es ist wirklich der bunteste, charmantes Kolonialort, den wir je geschehen haben. Zumindest was die Architektur betrifft, ansonsten ist es super touristisch und dem entsprechend viele Gauner laufen rum und jeglicher touristischer Schnick Schnack ist zu finden. Vor allem ist Cartagena für uns der Ausgangspunkt eines 5-Tages Segeltörn über die San Blas Inseln bis nach Panama. Denn obwohl Kolumbien und Panama eine Landesgrenze haben, kann diese nur per Flug oder Boot überwunden werden. Denn tatsächlich ist hier der Panamerikanische Highway unterbrochen, zu gefährlich scheint die Tour über Land durch den unbesiedelten National Park zu sein. Aber wir erinnern uns zu gerne an unseren Bootsausflug durch Palawan in den Philippinen, Trauminseln und -Strände, fantastische Schnorchelspots, nette Leute mit denen wir heute noch Kontakt haben und leckeres Essen, das vor allem aus Fisch und Meeresfrüchten bestanden hat. Selbst wenn der Ausflug auf dem Boot Wild Card das nicht toppen kann, es wird bestimmt ein Abenteuer.

Ja das kann man so sagen, das war es definitiv. Doch meist überwog dem paradiesische Erleben, Fremdschämen und Unwohlsein. Fangen wir erst mal an, wer mit an Board war. Das Boot war so ausgebaut, dass in jedem freien Fleck ein Bett war, teilweise konnte man schon mal nachempfinden wie es sich im Sarg anfühlen wird und die Betten waren restlos ausgebucht an 20 Passagiere. Davon 15 Flashpacker im Alter zwischen 18 und 25 Jahren. Das Alter sagt definitiv erst mal nichts über Charakter und Einstellungen aus. Doch leider hatte der Großteil nur eines im Sinn Party, Party, Instagramm. Zum Glück gab es noch eine Handvoll Leute mit denen wir eine gute Zeit verbringen konnten. Die ersten zwei Tage ging es über das offene Meer und wir hatten so ein Wahnsinns-Glück, denn bei der letzten Fahrt war so ein rauer Seegang, das alle, einschließlich des Captains seekrank wurden. Bei uns war es so ruhig, das wir entspannt am Deck lagen und uns über Delfine freuen konnten die ein Stück unser Boot begleiten. Das Essen war für die Umstände okay, auch wenn es kein einziges Mal Fisch gab! Und das obwohl uns die einheimischen Fischer Langusten oder frischen Fisch aus ihren kleinen Nusschalen angeboten haben! Da wir gebeten wurden nur bei Unverträglichkeiten oder strikten Diäten Essenswünsche anzugeben, habe ich darauf verzichtet vegetarisches Essen anzumelden. Das hatte ich dann davon, die drei täglichen Mahlzeiten enthielten entweder Fleisch oder Wurst. Das geht mir nicht in den Kopf, als bräuchte man als Fleischesser drei Mal täglich seine Dosis. Für die dritte Nacht legten wir vor den San Blas Inseln an auf denen die indigenen Kunas leben. Wer etwas über Kultur und Leben erfahren will, kann dies auf Wikipedia nachlesen. Denn wirklich etwas mitbekommen haben wir nicht, denn der Fokus unseres Bootes lag darauf in diesem idyllischen Fleckchen Erde Party zu machen. So dröhnt ein Mix aus Elektropop, 90er Hits und Raeggeton bei uns über Deck, gemischt mit wildem Gekreische und ich kann nicht weg. Aber der Höhepunkt unserer Reise durchs Paradies soll noch folgen, die große Party auf einer der Ureinwohner-Inseln am nächsten Abend. Doch zumindest am Tag konnten wir am Strand entspannen, schwimmen oder in der Hängematte lesen. So habe ich mir das schon eher vorgestellt. Aber da war es auch schon wieder vorbei mit der Ruhe. Zurück an Board, wir müssen uns für heute Abend verkleiden. Der Großteil stürzt sich auf die Verkleidungskiste mit Röcken, Hosen, Kleidern und Tüchern im Piratenstil. Anschließend nehme ich mir ohne viel Leidenschaft noch etwas raus. Auf der Insel treffen wir dann auf die Passagiere der Wild Card II. Auch die sind verkleidet, interessanterweise hauptsächlich Jungs, die dazu noch irgendetwas kompensieren wollen und größtenteils Bikinioberteile tragen. Ich brauch mehr Rum in meiner Kokosnuss, sonst kann ich das nicht ertragen. An der Stelle möchte ich etwas klarstellen, wer uns kennt weiß, wir sind so gut wie für jede Party zu haben und ich liebe Mottoparties. Aber warum muss ich an so einem paradiesischen Ort, mit einer uns völlig unbekannten Kultur und der letzten indigenen Bevölkerung eine Party schmeißen, wie ich sie sonst überall auf der Welt und vor allem daheim haben kann?! Wie war das noch mal als Reisender repräsentiert man sein Land? Da wäre wiederum dieses Benehmen angebracht. Die Party steuert mittlerweile ihrem Höhepunkt, dem Kostümwettbeweb zu. Dachten wir schlimmer geht es nicht mehr, haben wir unterschätzt wie gerne der Mensch sich zum Affen macht. Einzeln oder im Team werden Möchtegern sexy Tanzperformances aufgeführt. Wer hier gewinnen will muss sich schon was einfallen lassen und das hat der Engländer aus unserer Gruppe drauf, nach ein paar Tanzmoves zieht er sich komplett aus und rennt nackt mit der Hand im Schritt durch die gröhlende Meute. Wahrscheinlich unnötig zu erwähnen, dass wir uns vor dem Teil gedrückt haben. stattdessen haben wir an unserem Pegel gearbeitet und haben mittlerweile auch richtig Spaß, ein paar nette Gespräche und später wird noch kollektiv vom Bootsdach gesprungen, nackt versteht sich. Vor uns liegt noch ein letzter Tag und Nacht Bootsfahrt, der Ausdruck segeln ist hier falsch. Denn tatsächlich sind wir bis zum Schluss nicht ein einziges Mal gesegelt. Doch auch der letzte Tag ging nicht ohne eine üble Überraschung vorbei. Am Vormittag dachten wir noch, dass die paar, welche sich zum Brechen über die Reling hängen einen ordentlichen Kater haben. Doch als auch Leute davon betroffen waren, die wir gar nicht so verstrahlt in Erinnerung hatten wurden wir etwas stutzig und es gab kein Entkommen. Ein ordentlicher Magen-Darm-Virus hatte hier leichtes Spiel so gut wie alle zu infizieren. Dazu kam nachts noch Seegang und wir konnten es kaum erwarten mittags in Panama das Land zu erreichen. Auch wenn sich das jetzt nach einem Horrortrip für 550 Dollar pro Person anhört, gab es schöne Momente und Dank den Kölnern Anne und José gab es auch jede Menge zu lachen. Würden wir diesen Trip noch mal machen? Da kann ich mit Sicherheit nur sagen nicht mehr auf diesem Boot, ein anderes, ruhigeres vielleicht.

Das perfekt inszenierte GoPro Flahspacker Video darf natürlich nicht fehlen und zeigt zumindest die schönsten Seiten der San Blas Inseln, für die ganze Wahrheit habt ihr ja uns… 😉

Zeitraffer Segeln ohne Segel

1 Comment

  1. Pingback: Mit Tarzan durch den Großstadt-Dschungel – Einmal um die Welt, bitte!

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