All unsere besonderen Erlebnisse, magischen Momente und einzigartigen Begegnungen wollen wir hier festhalten.
Reiseblog

Mit Tarzan durch den Großstadt-Dschungel

Willkommen in Zentralamerika! Nach der anstrengenden Überfahrt von Cartagena nach Panama freuen wir uns auf ein Bett ohne Wippfunktion. Unser Partyhostel lässt uns auch ein paar Stunden schlafen, bevor es abends wieder rund hergeht. Das Luna’s Castle liegt in der schönen, erst vor wenigen Jahren wiedererwachten Altstadt Panamas, wo sich bis vor kurzem noch Drogenbanden zwischen den Kolonialbauten bekriegten. Viele Gebäude sind marode oder wurden bei der Invasion der Amerikaner Weihnachten 1989 zerstört und sind erst, nachdem der Rest der Küste mit einer Hochhäuserfront ausgestattet wurde in den Fokus der Stadtsanierer gekommen. Vor knapp 30 Jahren entschied man den Diktator Panamas Noriega nach über einem Jahrzehnt Unterstützung durch die USA für den Kampf gegen das sozialistische Nicaragua, doch lieber aufgrund seiner, durch die CIA gedeckten Drogengeschäfte mit dem Pablo Escobar’s Medellinkartell dranzukriegen. Die Angst vor dem Kommunismus war bis dahin offensichtlich die größere Gefahr als die Drogenflut im eigenen Land. Das Einmischen der USA in die Angelegenheiten der Länder Zentral- und  Südamerikas und der Karibik um ihre eigenen Interessen durchzusetzen hat lange Tradition, wobei die Grenzen zwischen Freund und Feind je nach Gusto fließend sind. Davon können wir auf unserer 3 monatigen Reiseroute durch dieses Nadelöhr zwischen Nord- und Südamerika, der Pufferzone zwischen 1. und 3. Welt selbst ein Bild machen. Zum Glück wurde dieses Fleckchen Erde, wenn schon nicht mit stabilen politischen Verhältnissen mit einer reichhaltigen und vielfältigen Natur ausgestattet.

Eine Free Walking Tour in Panamy City, wo eine Besichtigung des Panamakanals gut und gerne 50 U$ kostet, ist für unser Budget Gold wert. Und so startet unser Spaziergang in der kolonialen Altstadt und führte uns durch das zwielichte Rotlichtviertel voller chinesischer Ramschläden in das ehemalige amerikanische Gebiet entlang des Panamakanals. Früher war das US-Viertel inklusive des Kanals, der Panama und letzendlich ganz Amerika teilt, komplett als US besetztes Gebiet abgeschottet, berichtet unser Guide Chris kritisch, der interessanterweise selber aus den Florida stammt. Wir stehen am ehemaligen Grenzzaun, links und rechts von uns donnern heute die LKW auf dem Highway vorbei, einzig ein Monument erinnert an den Zwischenfall vor ziemlich genau 50 Jahren. Damals als eine Gruppe aus Studenten, einzig bewaffnet mit Panama-Flaggen den Zaun erklommen, um ihre Flagge neben der amerikanischen zu setzen um so den rechtmäßigen Anspruch des Kanals Ausdruck zu verleihen. Nach 23 toten Panamaern, 4 toten US-Soldaten und weiteren 35 Jahren sollte der Kanal tatsächlich den rechtmäßigen Besitzern zurückgegeben werden und ermöglicht es uns heute die Tour durch die ehemalige US-Zone fortsetzen.

Bereits beim 1. Baum bleibt unser freiwilliger Führer, Spitzname Tarzan, stehen und deutet auf etwas Zotteliges im Geäst. Ein Faultier, nein sogar zwei Faultiere, hängen total unbeeindruckt des lärmenden Verkehrs unter ihnen im Blätterdach. 50 Meter weiter das nächste faule Tier! Ein Wasserschwein läuft uns über den Weg, zwei Tucane turteln direkt vor uns in einem Baum. Wir kommen uns vor wie in einem Zoo, sind aber doch mitten in der Millionenstadt Panama-City mit einem der meistbefahrendsten Wasserstraßen der Welt. Wir wandern weiter durch einen Park auf den Acnon Hill mit Aussicht auf die Skyline von Panama-City auf der einen und des Panama-Kanals auf der anderen Seite. Unterwegs treffen wir auf 10 weitere Fautiere, 5 Tucans, 3 Wasserschweine, einer Affenbande und einer giftigen Minischlange. Wir hatten wirklich Glück meint Chris, der diese gratis Tour so gut wie jeden Tag anbietet. Er habe auch Tage an denen man keinem einzigen Tier begegnet. Zum Abschluss führt er uns zum örtlichen Fischmarkt, die halbe Stadt scheint ihn zu kennen, so wie der Friseur der wie jeden Tag anbietet seine Tarzanmähne in eine latinokompatible Kurzhaarfrisur umzuwandeln. Wir bestellen köstliches Ceviche, roher Fisch in Limetten-Koriander-Chillie-Sud, glücklicherweise hier ohne Hai, wie das Plakat an dem Stand verrät. Wieder im Hostel müssen wir unserem Guide fast unser Trinkgeld für die tolle vierstündige Tour aufdrängen. Abends sitzen wir im hosteleigenen Innenhof und kommen mit Tarzan bei einem Bier erneut ins Gespräch. Er erzählt uns sein Spitzname kommt, abgesehen von seinem Aussehen daher, dass er ein Jahr allein im Dschungel auf einer panamaischen Insel gelebt hatte. Er erzählt uns von nächtlichen Jaguarbesuchen in seiner Hütte bei absoluter Dunkelheit und der Einsamkeit, welche in schlussendlich fast wahnsinnig gemacht hatte. Jetzt zurück in der Zivilisation lebt er in dem Hostel seiner Freunde und ist hier der „good vibe manager“. Er spendiert uns noch ein Bier und wir müssen neidvoll anerkennen, dass er einen wunderbaren Job hat und diesen dazu noch verdammt gut macht. So einen Stimmungsmanager sollte jedes Hostel haben! Ziemlich lässiger Typ dieser Tarzan, der aus dem Dschungel kam!

 

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