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Reiseblog

Vom achtsamen Yoga zur Abschiebung aus Mexiko!

Es war mal wieder unglaublich wie mich das Glück verfolgt und mit welchem Timing mir ich die richtigen Leute über den Weg laufen. Da Moritz noch zwei Wochen mit seinem Divemaster auf Cozumel beschäftigt ist, brauch ich natürlich an Land auch eine Beschäftigung. Was passt da besser als nach dem frisch abgeschlossenen Yogalehrertraining nun auch selbst zu unterrichten!? Als ich mich durch die Tiefen der Cuzumel-Facebookgruppen gegraben habe, finde ich die Gruppe des Yoyoga Studios. Dies entspricht genau meiner Vorstellungen von Yoga für alle zugänglich, da auf Spendenbasis und so wie es scheint werden Klassen auf Englisch angeboten. Nach Kontaktaufnahme stellt sich heraus, dass man fast schon auf mich gewartet hat, denn die Besitzerin ist gerade im Urlaub und die liebenswerte Jamie hält ganz alleine die Stellung, mit bis zu drei Klassen am Tag. Schnell haben wir unter uns die Klassen aufgeteilt und ich bin super glücklich über diese Gelegenheit meine Erfahrung zu teilen und an solcher zu gewinnen. Das alles auf Freiwilligenbasis, denn wirklich was rum kommt dabei nicht und ist mir auch sowas von egal. Ich bin so erfüllt davon zu unterrichten.

Es ist Mittwoch früh und meine dritte Yogaklasse geht zu Ende, abgeschlossen mit einer Meditation über Selbstliebe und mich strahlen fröhliche Gesichter an. Ob alle was in die Spendenbox legen wird nicht geprüft und spielt auch keine Rolle. Doch im Türrahmen zeigt sich ein anderes Gesicht, ernst dreinblickend und das starke Übergewicht lässt mich ahnen die Dame ist nicht für die Folgeklasse da. Sie möchte meinen Ausweis und meine Papiere sehen, na die habe ich ausnahmsweise jetzt nicht hier. Aber mein Mann kommt, der kann das mitbringen. Nein sie möchte die jetzt sehen. Langsam dämmert mir was, hatte Sie nicht was erwähnt sie sei vom Immigration Office?! Ich versuche zu erklären, dass ich hier für jemanden einspringe und auch kein Geld bekomme. Es hilft Nichts, sie wird langsam ungeduldig und mir wird etwas unwohl. Zumindest gestattet sie mir Moritz anzurufen. Ach was liebe ich die deutsche Sprache, sie ist wie unsere Geheimsprache im Ausland. Moritz will sofort in das Büro mit meinen Papieren kommen, will noch paar Leute kontaktieren und beruhigt mich noch einmal, dass ich nichts Verbotenes tue. Aber wie soll ich das übermitteln, die mittlerweile zwei Uniformierten können damit Nichts anfangen. Die Alte wird langsam auch ungeduldig, da ich versuche Zeit zu schinden, aber keine Ahnung zu haben, wo die mich hinbringen ist auch nicht so prickelnd. Da packt sie mich doch tatsächlich am Handgelenk und da reicht es mir aber auch und im einwandfreien Spanisch schnauze ich zurück, dass ich nichts gemacht habe, keine Kriminelle bin und Sie bitte es etwas langsamer angehen soll. Das hat nicht ihre Laune gehoben, aber irgendeinen Instinkt in mir sagt, dass ich mir das nicht gefallen lassen muss. Wir gehen zum Auto und die Dicke (Sorry, auch wenn ich sonst nicht oberflächlich sein will, das muss raus) weicht keinen Zentimeter von mir, wie lächerlich, vermutet sie Fluchtgefahr. Wobei ich wäre ihr davon gerannt und ihre Chance wäre nur sich mit ihren 100 Kilo auf mich zu werfen. Dann stehen wir vor einer alten Klapperkiste ohne irgendwelche offiziellen Logos und ich frage mich wirklich für eine Sekunde, sind die tatsächlich von der Einwanderungsbehörde oder werde ich gekidnappt?! Zumindest da hatte ich Glück, nach ein paar Minuten Fahrt sind wir im offiziellen Immigration Office. Eine nette Dame namens Carmen, fragt mich im einwandfreiem Englisch, ob ich den weiß warum ich hier bin. Nein antworte ich wahrheitsgemäß. Was ich denn dort gemacht habe und ich antworte „I practiced Yoga.“ Practice… ihre Kollegin meinte ich habe unterrichtet. Herrje das versteht hier jetzt kein Mensch wenn ich anfange zu erklären, dass ich das freiwillig und unentgeltlich mache und ich könnte noch philosophischer werden und davon erzählen das ich meine Energie und Erfahrung der Yogapraxis hier teilen möchte. Ich sage lieber erst mal gar nichts mehr und mittlerweile trifft Moritz ein. Nachdem Sie meinen Reisepass geprüft haben stellen Sie verwundert fest, dass ich tatsächlich Katja heiße und nicht Jamie, die sie anscheinend auflauern wollten. Ich bin eine Freundin, die aushilft weil Jamie beim Tauchen ist. Außerdem lässt sich deutlich erkennen, wir sind auf der Durchreise und haben auch schon einen Flug nach Kuba. Da dauert es noch eine halbe Ewigkeit bis ich meine Papiere bekommen und die freundliche Carmen teilt mir mit, dass ich aufgrund meines Weiterfluges Glück gehabt habe, sonst hätten sie mich zwei Tage lang behalten, bis sie herausfinden wohin sie mich zurückschicken müssen. Sie hätten mich also abgeschoben! Ich kann es nicht glauben, was war doch gleich mein Vergehen?! Ach ja ich habe Yoga umsonst unterrichtet…
Es stellte sich noch im anschließenden Gespräch mit der Besitzerin heraus, dass das in 5 Jahren zum allerersten Mal passiert ist, das Studio ist angemeldet und auch als Volunteer zu unterrichten ist legal. Aber, und dass ist der springende Punkt, hat dort keiner begriffen oder wollte es begreifen, es hat einfach keine Rolle gespielt.
Seit ein paar Tagen ist ein neuer Bürgermeister im Dienst und nachdem es ihm schon gelungen ist die Gelder für die Hilfsorganisation zum Schutz der Meeresschildkröten zu streichen, hat er jetzt vermutlich vorübergehend ein sich aus Spendengeldern selbstfinanzierendes Yogastudio geschlossen, in seinem Kampf um Arbeitsplätze für Einheimische. Ich bin enttäuscht und traurig aber auch froh. Ich bin ohne Konsequenzen aus der Geschichte rausgekommen, konnte meinen Kopf für Jamie hinhalten, die hier seit 7 Monaten lebt und die die mexikanische Einwanderungsbehörde wahrscheinlich mit besten Grüßen an Trump in die USA abgeschoben hätten.
Was mir aber wirklich zu denken gegeben hat, ich hatte nie wirklich Angst, weil ich zum Einem wusste das ich nichts Verbotenes tue und zum Anderen weil ich aus Deutschland komme. Es gibt eine deutsche Botschaft, die hilft und im schlimmsten Fall werde ich nach Deutschland abgeschoben, wo wir in Frieden leben, ein Sozialsystem mich auffängt und es meiner Familie und Freunden gut geht. Wie schrecklich muss so eine Situation sein, für Menschen die illegal in einem Land sind, sei es auf der Flucht vor Krieg und Elend oder um die Familie versorgen zu können und dann wirst du auch noch in dein Land abgeschoben, welches du unter Aufwand all deines Geldes, deiner Kräfte und Ängste verlassen hast. Einfach unvorstellbar und wenn ich das auf derzeitige Situationen in Deutschland bringe ist es das Eine was der Staat macht, aber dass wirklich Mitbürger so viel Hass in sich tragen, dass sie Menschen in Not, die ein Recht auf Asyl haben den Zutritt nach Deutschland verweigern wollen und jede Abschiebung feiern macht mich unerträglich traurig und wütend. Dabei haben wir doch im weltweiten Maßstab alle so viel Glück und sollten voller Mitgefühl für Mitmenschen sein, die es nicht so einfach im Leben haben wie wir.

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