All unsere besonderen Erlebnisse, magischen Momente und einzigartigen Begegnungen wollen wir hier festhalten.
Reiseblog

Metamorphose Medellin – Vom Drogenmoloch zur Touristenmetropole

Unsere erste Reise durch Kolumbien war 2011 und wir haben damals schon festgehalten, dass wir noch einmal zurückkommen werden. Jetzt im April war es so weit, die uns noch unbekannte Karibikseite steht auf dem Plan und damit Medellin und Cartagena. Während wir bei unserer ersten Reise abgeschiedene Orte in der Kaffeezone und im Amazonas besuchten, landeten wir diesmal in zwei von Backpackern und Touristen überrannten Städten. Das liegt auch daran, dass seit unserem letzten Besuch immer mehr Reisende nach Kolumbien wollen. Dem Land ist es gelungen sein von Drogen und gewaltgeprägtes Image ordentlich aufzupolieren. Besonders Medellin, die zweit größte Stadt Kolumbiens und in den 80ern eine Hochburg des Drogenkartells und Mordhaupstadt der Welt hat sich in den letzten 10 Jahren zu einer Partyhochburg für Einheimische und Gringos entwickelt. Wir schlendern nachts durch das Stadtviertel El Poblado, hier zeugt nichts mehr von der Schreckenszeit Pablo Escobars. Eine abgefahrene Bar reiht sich an die andere, unzählige Restaurants von arabischer bis japanischer Küche ist alles dabei, Dutzende verschiedene Biersorten in den überall gleichausschauenden Craft Beer Bars, Clubs aus den Technobeats dröhnen und überall ausgelassenes entspanntes Partyvolk. Wir erfahren von einer Zeit in der es jungen Leuten unmöglich war auszugehen, mit Freunden einen trinken zu gehen und nach 20 Uhr noch auf der Straße zu sein war lebensgefährlich. Zum Glück ist die Zeit als Pablo Escobars Terror das Leben der Bevölkerung regierte und Familien zerstörte vorbei. Doch da die 80er noch nicht so lange her sind, hat fast jede Familie einen Verlust zu beklagen und erinnert sich noch zu genau an diese schreckliche Zeit. Um so befremdlicher was Netflix mit seiner Produktion Narcos, die Pablo Escobars Leben zeigt, in Medellin ausgelöst hat. Während der Großteil der Bevölkerung am liebsten nie wieder den Namen Pablo Escobar hören will, strömen die Touristen in die Stadt um sich auf die Spuren von Pablo Escobar zu begeben: sein überdimensioniertes Wohnhaus in dem er mit seiner Familie gewohnt hat und im Keller gefoltert hat, das Dach auf dem er erschossen wurde, die Straßenzüge in denen noch heute Drogen verkauft werden, in die sich die geschmierte Polizei nicht einmischt und junge Leute an den Straßenecken schmiere stehen. Wir lassen uns von dem Besitzer unseres Hostels mit des vielsagenden Namens YOLO (You Only Life Once) durch die Stadt führen, er zeigt uns das Medellin von damals und heute, erzählt von seiner Bekanntschaft zu Escobars Sohn, der immer die tollsten Spielsachen in der Schule hatte und mit dem er vor 3 Jahrzehnten noch in dem riesigen Anwesen Escobars gespielt hatte. Aber auch grausame Geschichten, wie er als junger Mann nach Escobars Zeit gekidnappt wurde um Lösegeld von seiner Familie zu erpressen. Die Sicarios (Auftragsmörder des Kartells) nutzen nach dem Niedergang des Drogenkartells alle Möglichkeiten irgendwie Geld zu machen und sorgten dadurch für noch mehr Chaos und Terror in der ja eigentlich befreiten Stadt. Für unseren Guide ist es unvorstellbar nur einen Cent „mit“ Escobar zu verdienen, daher gehen die Einnahmen an eine Organisation für Straßenjungen. Umso nachvollziehbarer dieses Verhalten ist, umso mehr entsetzt eine Touritour bei der man persönlich John Jairo Velásquez kennen lernen kann. Auch bekannt als Popeye zählt er zu den furchtbarsten Mördern aus Escobars Riege, über 300 Menschen hat er umgebracht und ist für über 3000 Todesfälle mitverantwortlich. Das Überleben des bekanntesten Auftragmörder Kolumbiens wurde mit dem Erfolg von Narcos ebenfalls als TV Serie verfilmt, was zunächst spannend klingt, lässt mich in der Realität jedoch erschaudern. Nach über 25 Jahren Gefängnis ist dieser frei und geht nun seinem neuen Geschäftsmodell nach. Wer wollte nicht schon immer mal einem Massenmörder gegenüber stehen und sich dessen Foltermethoden und Erschießungen erklären lassen. Nicht zu erwähnen, dass die dafür vornehmlichen Interessanten, bestehend aus Amerikaner, Israelis und Mexikaner dafür bezahlen.
Abschließend aber nochmal zurück zu den erfreulichen Dingen in Medellin. Unser Bild ist geprägt von den herzlichen Kolumbianern und der internationaler Backpacker-Atmosphäre die hier aufeinander treffen und einem sagen möchte: Wir wollen glücklich sein, hier ist kein Platz mehr für Terror und Gewalt!

 

1 Comment

  1. Pingback: Mit Tarzan durch den Großstadt-Dschungel – Einmal um die Welt, bitte!

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