All unsere besonderen Erlebnisse, magischen Momente und einzigartigen Begegnungen wollen wir hier festhalten.
Reiseblog

Kathmandu – Heilige Gauner?

Kathmandu ist die Hauptstadt von Nepal und der Stadtteil Thamel bietet alles was das Touristenherz begehrt oder auch nicht. Wie auch im touristischen Pokhara bekommt man den Eindruck Nepal ist fortschrittlicher als erwartet. Doch sind es vor allem die Straßen, die deutlich machen, dass für so etwas kein Geld übrig ist und die sind wirklich in einem sehr schlechten Zustand, dass auf einer Strecke von 200 km, entlang dem Highway, nicht schneller als 30km/h gefahren werden kann. Auch an den kulturellen Highlights ist noch viel Arbeit nötig um die vom Erdbeben eingestürzten Tempel wieder aufzubauen. Verlässt man dann die gut besuchten Plätze, zeigt sich noch deutlicher wo die Bevölkerung Unterstützung braucht. Auch wenn auf unserer Route die Armut Nepals verborgen bleibt, wir wissen das sie existiert und da gibt es nichts drum herum zureden. Kathmandu ist eine faszinierende Stadt, manchmal aber auch verwirrend. Die Menschen sind wie bis jetzt überall in Nepal übermäßig freundlich und hilfsbereit. In Thamel, dem Touristenghetto, reiht sich ein Restaurant ans nächste, internationale Küche mit sagenhaftem Preis – Leistungsverhältnis. Die unzähligen Souvenirramschläden fehlen natürlich nicht und jede Menge original-gefälschte Trekkingausrüstung gibt es zu erstehen. Auch wenn der Kern von Thamel eine verkehrsberuhigte Gasse vorzuweisen hat, zählt Katmandu zu den Städten mit der stärksten Luftverschmutzung der Welt. Verkehr, Abgasnebel und der Staub der ungeteerten Straßen läßt sich manchmal kaum aushalten. Doch genau während unseres Vier-Tagesaufenthalt gab es eine, wie soll man es bezeichnen, „Teilteerung“ der Straße. So wurde zur späten Stunde im Touristenteil die Schotterpiste fleckenhaft mit dampfenden Teer begoßen. Am nächsten Tag war der auch noch nicht getrocknet und jeder marschierte oder fuhr durch. Die Schuhsohlen klebrig, Teerspuren in allen Geschäften, schrecklicher Gestank, ein unfassbarer Zustand. In dieser Nacht dann wurde das Angefangene zu Ende gebracht. Die Straßen wurden komplett mit einem neuen Belag versehen und alle trampelten durch die Baustelle. Die Beschaffenheit und der Vorgang verleihen den Eindruck, dass dies ein mal im Jahr passiert und dies wurde uns von einer Volunteer auch später bestätigt.

Wir verlassen das Zentrum und fahren zu der hinduistischen Tempelanlage. Wie auch in Varanasi werden am Fluss die Toten verbrannt und da haben wir auch schon einen Guide an der Backe. Wir konnten dem armen Studenten gegenüber aber auch nicht Nein sagen und eineinhalb Stunden später wissen wir nicht mehr was nun der Wahrheit entspricht. Begonnen bei geografischen Fakten, dass dieses graue Rinnsall hier der Ursprung vom heiligen Fluß Ganges ist, bis hinzu den hinduistischen Legenden. Übrigens ein ausgezeichneter Zeitvertreib die Legenden zu googeln und nachzulesen. Diese sind so verwirrend, absurd und vor allem zusammenhanglos, dass es meines Erachtens schon wieder literarische Kunst ist. Doch die größte Verwirrung schafften die Sadhus. Als wir diese zu Beginn unseres Rundgangs im Tempel fotografierten, quatschte unser Guide uns an, dass wir was wünschen müssen, da wir von so heiligen Männern gesegnet wurden. Nun 30 Minuten später, liegen wieder drei dieser selbstlosen Herren, spärlich bekleidet vor einem Tempel. Und was teilt der Guide uns da mit?! Dass wir bedauernswerter Weise vorhin auf die Fake-Sadhus reingefallen sind. Aber jetzt haben wir die Gelegenheit wirklich was Gutes zu bewirken. Diese heiligen Männer haben alles aufgegeben ihr persönlichen Besitztümern und ihr sexuelles Verlangen. Doch sie sind reich. Aber all ihr Reichtum geht an die Armen, den Geld bedeutet ihnen nichts. Jetzt können wir auch für die Erdbebenopfer spenden, denn alles Geld wird direkt an die Bedürftigen weitergeleitet. Im Gegensatz, wenn wir von Deutschland aus spenden, das versickert bei der Regierung. Moment mal, das kann ich nicht so stehen lassen und versuche zu erläutern, dass es so was wie NGOs gibt. Währenddessen fotografiert Moritz, wie ein Sadhu ein Bündel Scheine abzählt und dies an einen anderen Guide übergibt, vielleicht handelt es sich hierbei um eine Provision. Aber wie könnte ich es wagen, diesen frommen Herren etwas zu unterstellen. Schließlich wurden wir auch genug bequatscht und eh wir uns versahen saßen wir zwischen den Heiligen für ein Foto. Einen festen Preis hierfür gibt es nicht, das hängt von unserer Großzügigkeit ab, schließlich haben sie sich von allem Materiellem los gesagt. Doch im mein Ohr wispert der eine unaufhörlich „1000 for both“ (8 Euro!) und über die gegeben 150 Rupien (ca. 1,20 Euro) wird das Missfallen deutlich gemacht. Wirklich beeindruckend diese gelebte Selbstlosigkeit. Die Tour geht zu Ende und es kommt zur Bezahlung unserer Guides, vereinbarter Preis nach seiner Aussage: „Pay as much as you like. If you are happy I will be happy!“. Wir bezahlen äußerst angemessen 1000 Rupien. Doch auch hier wird nachverhandelt. Das wäre die offizielle Guidegebühr und ein paar Hundert mehr für sein Studium wären doch angebracht. Er gab sich dann doch zufrieden. Abgesehen von den Gaunereien oder vielleicht genau deswegen ist der Tempel auf jeden Fall einen Besuch wert.

Kathmandu, 14. – 18. Oktober 2017

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.