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Reiseblog

Grenzerfahrungen einer Reise: Von Varanasi nach Pokhara (2. Teil)

Nach dem verrückten Varanasi geht per Zug und Bus über die indische-nepalesische Grenze nach Pokhara, soweit der Plan…

2a) Zugfahrt von Varanasi nach Gorakhpur, Bus nach Sonauli, Distanz: 300 km Dauer: 12 Stunden; Verrücktheitsgrad: Niedrig, Stimmungsbarometer: Gut

Spätabends nach einer kalten Dusche im Guesthouse mit dem TukTuk durch die Festivalmeute zum Bahnhof chauffieren lassen. Habe ich schon erwähnt, dass man gerne in Indien hupt? Unser netter Tuktukfahrer hat sich sage und schreibe 186 dazu genötigt gefühlt unser Kommen mit einer Hupe anzukündingen, also im Schnitt alle 8 Sekunden auf unserer 25 Minütigen Fahrt. Als Versöhnung hat er uns dann noch zum Hupkonzert eine Aria geträllert, sowas passiert einem auch nur in Indien.
Mit diesmal erfreulicherweise nur einstündiger Verspätung ging es dann um halb 2 Uhr nachts von Varanasi per Zug Richtung Norden. Unser klimatisiertes und schallgeschütztes 1. Klasse Abteil hatte nur zwei Betten so dass wir keine Sorgen haben mussten unser Abteil mit einem wohlhabenden schnarchenden Inder teilen zu müssen. Wir haben dann tatsächlich so tief und fest geschlafen, dass wir erst aufgewacht sind als wir morgens um 8 Uhr an der Endstation in Gorakhpur angekommen und die Passagiere bereits über den Bahnhof von dannen zogen. Anschließend ging es per Bus 3 Stunden nach Sonauli, den hässlichen Grenzort zu Nepal.

2b) Zu Fuß über die indische-nepalesische Grenze, Distanz: 500 m Dauer: 2 Stunden Verrücktheitsgrad: endlos, Stimmungsbarometer: Unterirdisch

Die Grenze zu passieren war tatsächlich absolut unstressig, da die Inder und Nepalesen sogar ohne Reisepass einfach so die Grenze überqueren konnten (im krassen Gegensatz zur Grenzanlage nach Pakistan). Selbst das VISA on Arrival in Nepal kann innerhalb von Minuten ausgestellt werden, wofür man lediglich 40 US$ hinblättert. Nun stellte sich aber heraus, dass man tatsächlich NUR mit US Dollar bezahlen kann, heißt nicht einmal die einheimischer nepalesische Währung wurden akzeptiert, geschweige denn indische Rupien. Natürlich haben sich windige Wechselgeldstuben darauf spezialisiert die ankommenden Touristen maximal auszuquetschen. 6000 indische Rupien (80 Euro) müssten es schon sein, um die 80 $ (67 Euro) für beide Visa zu erstehen. Damit aber nicht genug, wie bereits erwähnt ist heute der „Höhepunkt“ des Durga Puja Festes mit dem Ziel die Statuensammlung in die örtlichen Flüsse und Seen zu versenken und das bedeutet für alle Beteiligten vor Allem eines: Feiertag! Und so wird sogar der 365 days ATM-Geldautomaten in seinen wohlverdienten Urlaub geschickt. Also Geld abheben ist nicht, zum Glück haben wir noch unsere Not-Euros um das notwenige Geld zusammenzukratzen. Jetzt kommt es aber noch besser, dem 5 Euroschein fehlt doch tatsächlich eine Fitzelchen Ecke, moniert die „nette“ Dame hinter der Theke. Außerdem kann Sie mir sowieso nur den 100 Dollar Schein eintauschen, weil die 20 $ Scheine minimal eingerissen sind und die wiederum von der VISA Stelle nicht akzeptiert werden. WTF, was ist das für ein Film? Auch ein erneuter Grenzübergang nach Indien hat keinen Erfolg gebracht, man hat doch tatsächlich auf dieser Seite der Grenze noch nichts von dem Geldtauschrausch mitbekommen. Nach dem gefühlt 10. Anlauf hat sich ein Geldwechsler, mit rotem Reis auf der Stirn erbarmt mir meine 70 Euro und 1200 Rupien, also insgesamt 87 Euro gegen 80 $ einzutauschen, was für’n Scheißdeal.
Mit dem Visa in der Tasche durch die sengende Hitze Richtung Bus geeilt, der uns schonmal bis in die nächste Stadt bringen sollte. Planmäßige Abfahrt 13 Uhr, zieht der Reisebus 10 Minuten zu früh an uns vorbei. Unseren Lebensumständen geschuldet, haben wir eine geschlagene Woche gebraucht um festzustellen, dass doch tatsächlich Nepal eine Zeitverschiebung von 15 (in Worten: fünfzehn) Minuten zu Indien hat. So bescheuert, dass es schon fast wieder faszinierend ist.
Zurück zum tollen Grenzörtchen, wo die nächste Offenbarung uns bevorsteht. Der nächste Bus nach Pokhara gehe heute Abend um 18 Uhr und komme am nächsten Morgen frühs an. Schuld ist natürlich das Fest, alle Busfahrer im Urlaub… Dieser Ort hat uns gebrochen und wir sind mittlerweile bereit die 80 Euro für ein Taxi für die 6 Stündige Fahrt zu bezahlen, Hauptsache weg und irgendwann ankommen.

2c) Autofahrt nach Pokhara, Distanz: 400 km; Dauer: 7 Stunden; Verrücktheitsgrad: Hoch, Stimmungsbarometer: Gelassen

Unsere beiden Taxifahrer kann man nur als Chaoten beschreiben, zum Glück liebenswerte. Da die beiden Cousins kurzfristig sich für die insgesamt 12-Stündige Fahrt entschlossen haben, wird nochmal beim Bruder des Fahrers vorbeigeschaut um ein spätes Mittagessen nachzuholen. Kaum schauen wir uns um, sitzen wir in einem kleinen Zimmer, wo seine Frau und Kind und einige Fische im Aquarium auf 10 m^2, leben. Stolz wird uns der Fernseher angeschaltet und so lange durchgezappt bis ein für uns passender Film gefunden wurde. Das Essen wird wie selbstverständlich mit uns geteilt und so essen wir leckeres Lamm-Curry irgendwo im nirgendwo von Nepal und schauen dazu Sweet Home Alabama.
Die Fahrt geht weiter und nachdem uns der Fahrer stolz einen weiteren Bruder unterwegs vorgestellt hat, der mit seinem Bagger die Straße von heruntergefallenen riesigen Steinbrocken befreit, welche mehrere Autos inklusive Passagiere unter sich begraben hatten, erklimmen wir mit dem kleinen Suzuki eine Serpentine nach der anderen. Katjas Spotify-Playlist sorgt für die entsprechende Stimmung, die je nach Beatfrequenz auf das Fahrverhalten unserer Fahrer überspringt. Uns so hoffen nach jedem Tecnosong auf ein entspanntes Akkustiklied, damit der Rennfahrer wieder etwas von Gas geht.
Der Beifahrer ist mittlerweile eingeschlafen und zwar so tief und fest, dass es ihn in jeder Kurve durch den Wagen schmeißt. Kurzerhand wird ihm der Sicherheitsgurt angelegt, damit er bei der nächsten Linkskurve nicht wieder halb auf dem Fahrer liegt. So fahren wir einige Stunden durch tropische Wälder, vorbei an Wasserfällen und durch kleine Ortschaften, wie das Dorf „0“ (null), wovon unser Fahrer so fasziniert war, dass er jeden Einheimischen nach dem Ortsnamen fragen musste.
Es dämmert und wir haben uns mit einem Bier eingedeckt um die Fahrzeit etwas angenehmer zu gestalten, was zu erhöhten Pinkelpausen führte. Abends um 9 sind wir dann tatsächlich noch angekommen und unser Fahrer hat sich noch zusammen mit seinem verschlafenem Beifahrer direkt auf den langen Rückweg gemacht.

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