All unsere besonderen Erlebnisse, magischen Momente und einzigartigen Begegnungen wollen wir hier festhalten.
Reiseblog

Tierische Bekanntschaften in Costa Rica

Zusammen mit meinen Eltern, die gerade gelandet sind, haben wir das regnerische San José hinter uns gelassen und fahren zu der Fährstation nach Tortuguero ist. Naja Fährstation entspricht nicht ganz dem Ort, es handelt sich um einen sandigen Platz auf dem wir unseren kleinen Jeep für etwas Entgelt parken konnten mit einem Touri-Restaurant für die Wartezeit auf das nächste Fähre. Fünfzehn Minuten soll es noch dauern bis das Sammelboot zu dem 1,5 h Fahrt entferntem Dorf Tortuguero ablegt, welches direkt im Nationalpark liegt und übersetzt den widersprüchlichen Namen Schildkrötenjäger trägt. Wir sind aber erstmal mehr mit uns selbst beschäftigt, als mit der Aussicht auf Schildkröten oder gar deren (ehemalige) Jäger. Denn als wir aus dem gut klimatisiertem Auto aussteigen werden wir von der tropischen, heißen Saunaluft umhüllt und schleppen unsere Unmengen von Gepäck Richtung Bootsstation (meine Eltern stehen uns in Sachen Gepäck in nichts nach). Im Boot werden alle erst mal richtig platziert, denn wie sich herausstellt ist der Fluss nicht besonders tief und so kann man auch mal auf dem Flußbett aufsetzen. Um die Schiffschraube nicht zu beschädigen muss der Motor daher immer wieder ausgeschaltet werden und so driften wir elegant in den schlangenlinienverlaufenden seichten Fluss entlang.  Gefühlt fahren wir immer tiefer in den Dschungel, wir sehen keine Siedlungen oder Menschen auf der Strecke und es gibt um uns herum nichts außer dem braunen Wasser, dichter grüner Vegetationen und gelber Sandbänke… und einem roten schwimmenden! Bagger. Dieser baggert die Fahrrinne aus, damit auch zur Hochsaison, wenn das Wasser weniger und die Touristenmasse mehr werden die Boote trotzdem noch vorankommen. Denn das liebenswerte Dörfchen ist auch nur über Wasser zu erreichen und auf der anderen Seite des Flusses an dem wir ankommen erstreckt sich das karibische Meer. Da sollen wir lieber nicht rein, denn es gibt neben der starken Strömung auch Haie. Natürlich lässt sich Moritz von so etwas nicht beeindrucken (Spoiler er hat es überlebt). Trotz touristischer Zwischensaison ist hier kein Geisterdorf, denn hier gibt es noch echtes Dorfleben. Kinder spielen auf den autofreien Straßen, die einheimische und größtenteils schwarze Bevölkerung geht ihren Beschäftigungen nach oder hängt lässig im Schatten ab und keiner versucht uns irgendwelchen Klimbims aufzuquatschen. Sind wir mal nicht gerade auf Tierbeobachtung lässt es sich perfekt in den Hängematten mit Meerblick aushalten. Tatsächlich wird es die aufregende, vielseitige Tierwelt Costa Ricas sein, welches das kulturell und kulinarisch eher unterentwickelte Land zu einem Highlight auf unserer Reise macht. Costa Rica ist, wie sie sich selbst bezeichnen und vermarkten, der Ökotourismus gelungen. Das heisst nicht, dass es Bio Verköstigung gibt, geschweige denn regenerative Energieressourcen genutzt werden. Aber es zeigt, dass der Mensch nicht immer den Lebensraum der Tiere einschränken oder die Natur mit unnötigen Bauwerken entstellen muss, um den Touristen etwas zu bieten. Im Gegenteil wird probiert vieles möglichst so natürlich zu erhalten, so wie es die Natur hervorgebracht hat und so heisst es am nächsten Tag für uns statt mit dem Motorboot über das Wasser zu fegen, aus eigener Muskelkraft zu paddeln und dafür werden wir belohnt. Zwei verschiedene Tukanarten und jede Menge schimpfender Papageien aller Coleur fliegen über unsere Köpfe, in den Baumwipfeln hören und sichten wir Brüllaffen und korpulierende Spidermonkeys, dicke Leguane, welche wie im falschen Lebensraum ausgesetzt scheinen, durchbiegen Sträucher über dem Wasser, unter denen schon die Kaimane auf Beute warten, Reiher stolzieren durchs Brackwasser und auch die wahrlich imposante Jesus-Christus-Echse (siehe Titelbild) kreuzt unseren Weg. Letztere sieht eher aus wie ein Mini-Dinosaurier und hat nicht viel mit ihrem berühmten Namensvetter gemein, außer der Fähigkeit über das Wasser zu laufen. Könnte Sie dazu noch das Wasser in Wein verwandeln, wäre es definitiv mein Lieblingsreptil, so muss Sie sich aber hinter den Geckos anstellen, die können nämlich an der Decke laufen und fressen Moskitos! Beat that Jesus-Echse!

Wie sooft paddelt es sich auf dem Rückweg nicht mehr so leicht, aber wir sind glücklich so viele wilde Tiere beobachtet zu haben. Am Nachmittag folgt die, aufgrund von Hitze, noch schweißtreibendere Dschungelwanderung. Für die meisten Insekten, welche wir zu sehen bekommen haben, hält sich mein Interesse in Grenzen gehalten, die Blattschneiderameisen jedoch sind wirklich ein interessantes Völkchen. Mehrere Millionen Ameisen schneiden und schleppen nicht nur das bis zu 20-fache ihres Eigengewichts über Kilometer in ihr Nest um dann noch nicht einmal die transportieren Blätter selbst fressen zu können. Stattdessen zerkauen Sie die Pflanzenreste in ihre Einzelteile und züchten damit einen Pilz, von dem Sie sich wiederum ernähren. Also eine Symbiose aus Pilz und Ameisen, da muss man auch erstmal drauf kommen, als Ameise..! Abgesehen davon machten mutierte Monsterkrabben, mit nur einer riesigen Schere, eine giftgrüne Schlange im Dickicht, Brüllaffen, welche versuchten von den Bäumen aus uns vollzukoten, korpulierenden Spinnenaffen und noch mehr farbenprächtige Vögel die Anstrengungen wieder wett.

Weiter geht die Reise Richtung Pazifik in die Nebelwälder, wo wir dank unserem aufmerksamen Guide in Monteverde auf noch mehr faszinierende Insekten, Amphibien und vor allem Vögel stoßen. Unser Guide zeigt uns Frösche versteckt in Blüten, Taranteln die in ihren geputzten Höhlen auf Beute warten und Hornissen die auf Taranteljagd sind um ihre Eier in ebendiese als Lebendbuffet für ihre Nachkommen zu injizieren. Kolibris surren an uns vorbei, wie dicke Hummeln, ein unscheinbarer schwarz-weißer Vogel zwitschert seinen Alien-Morsecode und mit viel Glück und dem Geschick unseres Parkführers bekommen wir sogar einen Quetzal, der wahrscheinlich schönste Vogel der Welt, zu Gesicht. Wie angewurzelt verweilen wir im Dickicht die 15 min bis er mit seinem langen, tanzenden Schanzfedern mit Futter für den Nachwuchs wieder in sein Nest fliegt. Am Nachmittag fliegen wir dann bei der sündhaft teuren, aber eben auch spektakulären Canopy Tour selbst mit dem Flying Fox durch und über das Blätterdach des Regenwaldes. Ausschau haltend nach unserem liebsten Regenwaldbewohner. Aber das Faultier hält sich weiterhin in dem Urwäldern versteckt.

Dachten wir zumindest. Am Abend bei einer Spielerunde in unserem Hostel fährt Katja mittendrin vom Tisch hoch und zeigt auf die Straßenlaterne. „Ein Faultier, ein Faultier!“ Da hängelt es sich 10 m über der Straße an den Stromkabeln entlang und das für faultierverhältnisse auch noch ziemlich schnell. Schon bildet sich unter dem Waldbewohner eine Menschentraube und unser zotteliger Freund hat unfreiwillig die Aufmerksamkeit des gesamten Hotels sicher. Man fragt sich allerdings wo es denn hin will, geschweigedenn wo es denn herkommt? Die nächsten hunderte Meter gibt es nur Straßenlaternen verbunden über Kabelsalat. Nach kurzer Zeit lassen wir den neuen Instagrammstar ziehen, in der Hoffnung er möge bald einen Baum finden, wo er wieder seinem Namen nachgehen kann und einfach mal wieder Faultier sein darf! Was für ein Leben!

Die Jesus-Christus Echse beim Laufen über das Wasser!

Fancy Vogel in Montezuma Nebelwald spuckt Avocadokern aus und zwitschert Alien-Morsecode

Katja beim Tarzan Swing in der Canopy Tour in Montezuma

Faultiert hangelt sich am Kabelsalat der Straßenbeleuchtung entlang

 

 

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