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Reiseblog

Der König ist tot, lang lebe der König! 

Eigentlich war der Umweg über Bangkok von Indien nach Myanmar nicht eingeplant, tatsächlich ist es aber günstiger den Zwischenstop einzulegen als direkt zu fliegen und da wir viel Zeit, aber wenig Geld zur Verfügung haben sagen wir nicht nein zu einem Wochenende mit leckeren Curries, Thaimassagen und Party in der bisher „westlichsten“ Station unseres Trips. Es kam allerdings mal wieder anders als geplant..!

Wir sollten es mal wieder schaffen zu einem wichtigem Feiertag vor Ort zu sein, in diesem Fall die Beerdigung des geliebten König Thailands. Dieser ist zwar schon vor einem Jahr friedlich im stolzen Alter von 88 Jahren verstorben, aber weil sprichwörtlich jeder Thai nochmal persönlich Abschied nehmen wollte, wurde die Einäscherung auf ein Jahr später angesetzt. Immerhin waren wir diesmal vorbereitet, weil uns zwei Lehrerinnen aus den UK und arbeitend in Bangkok bereits in Nepal vorgewarnt hatten. Am Tag der Himmelfahrt des Monarchen geht in Bangkok, wenn nicht ganz Thailand, gar nichts mehr, die Stadt trägt schwarz und steht still. Auch für Sie würde es der Tag der Erlösung bedeuten, weil Sie seit einem Jahr jeden Tag schwarz gekleidet auf die Arbeit erscheinen mussten (Es wurden sogar Kollegen die nicht komplett schwarz gekleidet waren wieder heimgeschickt!). Die Expats würden über die mehrtägige Beerdingungszeremonie aufgrund der Menschenmassen und der angeordneten Staatstrauer die Flucht aus Bangkok zu ergreifen, für uns gab es kein Entrinnen. Im Hostel eingecheckt haben wir uns zumindest noch mit Wasser und Wodka eindecken können, bevor die sonst rund um die Uhr 365 Tage im Jahr geöffneten 7/11 für den restlichen Tag dicht machen sollten. Alle Thais waren in schwarz gekleidet und die Straßen waren wie leergefegt, zum Glück fuhr noch der Skytrain und dieser sogar umsonst. Wie es der Zufall so will, sind Tobi und Noah, zwei Freunde aus Berlin unabhängig voneinander ebenfalls in der Stadt gestrandet und so wird das gemeinsame Bier aufs Hotelzimmer verlegt, denn die gesamte, sonst so aufdringliche Metropole ist an diesem Tag trocken gelegt. Erst am nächsten Tag durften die Bars wieder Alkohol verkaufen, Tags drauf die Diskos und die Rotlichtviertel durften erst als Letztes wieder zu ihrem Tagesgeschäft übergehen…

Wir verfolgen die Trauerfeier, die im Fernsehen auf allen Kanälen ausgestrahlt wird, als wir den ehemaligen Bundespräsidenten Wulff unter den Trauergästen erblicken, fragen wir uns schon wie Ernst(haft) die Lage wirklich ist. Tatsächlich halten die EU-Regierungen seit dem Militärputsch von 2014 (war uns auch neu) keine offiziellen Beziehungen zur Militärjunta, die sich als große Monarchieretter inszenieren, um ihre Zustimmung aus der Bevölkerung zu erhöhen, daher darf Wulff nochmal ran und den Staatschef spielen.

In jedem Fall begleitet die fünftägige! Beisetzung wahnwitzige Vorschriften, wie dass seit Tagen im Fernsehen nur noch Reportagen in schwarz/weiß über den König gezeigt werden dürfen, wobei der sowieso unendlich beliebte König und all seine erfolgreichen Lebensaufgaben von allerlei Society-Experten in den Himmel gelobt werden.

Aber unabhängig davon wäre Kritik nicht nur unerwünscht, Majestätsbeleidung steht in Thailand, aufgrund der Initiative des Königs sogar mit bis zu 15 Jahren Haft unter Strafe. Aber wenn schon nicht die Einheimischen sich über die maßlose Trauerfeier, mit schlappen 100 Millionen $ wohl teuerster Staatstrauerakt ever auskotzen dürfen, springe ich gerne ein!

Perfiderweise erweist ausgerechnet der neue Thronfolger den Kritikern des Königshauses einen Ehrendienst, der besser ist als jede königliche Seifenoper es hätte ausmalen können. Mit dem natürlich unvorhersehbaren Tod des seit Jahren erkrankten Monarchen steht mittendrin sein einziger männlicher Nachkomme als Thronfolger im Rampenlicht. Besser gesagt unter dem einer SPARSAM Energiesparlampe in einem Münchner Möbelhaus, in dem der gelernte Prinz und Lebemann gerade bauchfrei im schwarzen Tank-Top mit seiner dritten Frau, einer Thai Airways Stewardess shoppen ist. Tatsächlich hat der neue 60 Jahre alte König Rama X wahrscheinlich so gar keinen Bock auf königliche Etikette und ist mittlerweile wohl mehr Bayer als Thai, da er die letzten 20 Jahre seines Lebens in den Villen um den Starnberger See seinem ausschweifendem Lebensstil nachgegangen ist. Na ein Glück gibt es in der Koh San Road genügend Bars mit Weizenstutzen, wenn denn mal wieder gelacht werden darf und bayrische Gemütlichkeit in den Palast eingekehrt. Bis dahin hat die thailändischen Zensurbehörde in jedem Fall alle Hände voll zu tun, die bei mehr oder weniger vollem Bewusstsein des Prinzen entstandenen köstlichen Aufnahmen aus dem niemals vergessendem Internet zu verbannen und die Verantwortlichen, wie beispielsweise Facebook der Majestätsbeleidigung zu bezichtigen.

Raus aus dem Tank-Top und rein in die königliche Robe…

Da wünscht man den übereifrigen Royalapostel etwas mehr Gelassenheit, schließlich hat sich der Thronfolger ja freiwillig so in der Öffentlichkeit präsentiert und vielleicht wird das ja auch das Credo seiner Amtszeit die unfehlbaren Monarchen auf ihrem heiligen Thron auf das zu stutzen was sie wirklich ist, nämlich auch nur Menschen, mit sehr sehr viel Geld…

Bangkok, 26.-28.10.2017

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