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Reiseblog

Annapurna Base Camp – atemlos in 4100 Meter Höhe

Ich steige keuchend die 1000 Steinstufen hoch und das in der prallen Sonne. Gestützt von den Trekkingstöcken und die Füße in robusten Wanderschuhen. Die Atmungsaktive Trekkingbekleidung kommt an ihre Grenzen und irgendwie zieht der Rucksack schwer an den Schultern. Dabei wurde dieser extra nur mit dem Nötigsten für die Woche Wandern bepackt. Da sehe in in meinem nach unten gerichteten Blickfeld zwei Füße in Flip Flops, schnellen Schrittes an mir vorbei. Ich sehe ihn noch von hinten, drei riesige aneinander geschnürte Backpacks auf dem Rücken. Diese werden natürlich nicht über den hochentwickelten Hüftgürtel getragen, sondern mittels ein paar Stricken und einem Plastikband über die Stirn gespannt. Ein Scherpa oder auch Porter genannt, die wahren Helden des Gebirges. Ohne sie würde hier, auch auf dem Weg zum Annapurna Basecamp, nicht viel bzw. überhaupt nichts gehen. Chinesische und koreanische Reisegruppen lassen sich von ihnen das komplette Gepäck und sogar Essen schleppen. Dabei bieten alle Hütten ein riesiges Angebot an Speisen und Getränken. Dies wird natürlich auch alles von den Porters nach oben getragen. Sei es Colaflaschen, Bierdosen, Gasflaschen, Nudeln, Stühle, Töpfe und was uns nicht alles sonst erwartet. Dabei sind sie auch noch schneller als die Reisegruppen unterwegs und man ist darauf bedacht ihnen auf den engen, unebenen Wegen rechtzeitig auszuweichen. Auch am letzten Tag brachte mich ihr Anblick immer noch zum Staunen und Bewunderung. Daher ein paar Highlights was wir so gesehen haben.

  1. Unser Abstieg ist der selbe Weg wie hoch und ich versuche Streckenabschnitte wieder zu erkennen. Da sehe ich am Rand einen gelblichen Kasten stehen. An den kann ich mich gar nicht erinnern, ich bleibe stehen und mustere ihn, schaut aus wie ein Schrank. Da bemerke ich den älteren, schmächtig wirkenden Mann, der sich im Schatten ausruht. Während wir fragen, kennen wir schon die Antwort. Ja er trägt das nach oben zum Annapurna Base Camp (4100m) für das Festival und da erkenne ich, dass es ein Rednerpult ist
  2. Es ist unser letzter Abend auf einer Hütte und wir trinken erschöpft ein Bier. Da kommt ein junger Bursche des Weges entlang auf dem Rücken eine riesige Granitsteinplatte, er selbst mit Gummistiefeln und vielleicht 1.60m groß. Nach 30 Minuten kommt er wieder mit einer Platte auf dem Rücken vorbei. Wenigstens stützt er sich auf einen Bambusstab. Doch es handelt sich um eine 1,50 Meter lange Eisenstange
  3. Alles was auf einer Baustelle gebraucht wird, muss natürlich erst nach oben geschleppt werden. So werden meterlange Baustahlstränge, Holzbalken und auch unfassbar, eine zwei Meterlange Tischplatte an uns vorbei getragen. Je Gegenstand nur eine Person, ausser bei den Stahlsträngen da waren sie mal zu zweit.
  4. Haben wir leider nicht selbst gesehen, aber mit Foto erzählt bekommen. Nach dem Prinzip der Opa muss mal zum Arzt ins zwei Tagesmärsche entfernte Nachbardorf, wird auch ein älterer Herr im Stuhl sitzend auf dem Rücken getragen.

Das Trekking selbst war natürlich auch ein Highlight. Das war unsere bis jetzt längste Wanderung und so waren wir vorab auch etwas angespannt. Das Nötigste haben wir in unsere Rucksäcke gestopft (wir wollten das alles ohne Porter schaffen) und die Route haben wir zusammen mit Maggie und Tomas aus Argentinien geplant, die wir seit dem Ashram kennen. Als kleine Gruppe hat es gleich noch mal mehr Spaß gemacht. Wir waren bereits am ersten Tag des Aufstiegs ziemlich überrascht, wie viele Chinesen und Koreaner wir auf den ausgeschilderten Wegen trafen. Ein Guide ist auch nicht nötig, den Weg zum Annapurna Base Camp (ABC) kann man wirklich nicht verfehlen. Doch die Asiaten waren in großen Gruppen unterwegs mit Guides, unzähligen Porters, denn der komplette Kosmetikbeutel und Föhn dürfen beim Trekking nicht fehlen. Das ging soweit, dass sie sich in der Hütte des ABCs ein Schaf schlachten ließen und dieses dann selbst zu bereiten, während es für den Rest nur vegetarische Kost gab. Wir wanderten jeden Tag so 6 Stunden, meist ging es über Steinstufen steil bergauf und dann wieder runter und anschließend wieder nach oben, versteht sich. Die Veränderung der Landschaft war auch der Hammer. Ging es zu Beginn bei tropischen Temperaturen durch Dschungelähnliche Landschaft, führte der Weg am dritten Tag durch kühlende Wälder. Irgendwann war auch die Baumgrenze erreicht und um uns herum Steppe. Die bis zu 8000 Meter hohen Annapurnagipfel zeigten sich nur in den Morgenstunden, bis dann die Wolken aufzogen. Der Weg selbst ist weniger die Herausforderung, als die Höhe, die man dann erreicht. So setzten mir die 4100 Meter am Ziel schon etwas zu. Doch ein einzigartiges Erlebnis, wenn zum Sonnenaufgang die um uns herumliegenden noch mal 4km höheren, schneebedeckten Berge sich zeigen. Waren wir noch stolz, dass nach 4 Tagen Aufstieg nur ein kleines Zwicken in den Waden bemerkbar war, sollte sich dies beim Abstieg ändern. Wir rollten und jammerten zum Teil die Wege nach unten, wer kann denn ahnen, dass der Rückweg das Anstrengendste ist.

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  1. Pingback: In Buenos Aires daheim – Einmal um die Welt, bitte!

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